Der gute Mensch von Sezuan

Geschlechterstereotype und –konstruktion

Sebastian Henzl, 30. 11. 2010, Version 1.1

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Geschlechterkonstruktionen in Der gute Mensch von Sezuan
    1. Geschlechterstereotype
    2. Der gute Mensch von Sezuan
      1. Inhalt
      2. Shen Te
      3. Shui Ta
      4. Kurzer Exkurs: Inszenierung von Shen Te und Shui Ta
      5. Männer vs. Frauen: Geschlechterspezifische Machtpositionen?
  3. Conclusio
  4. Literatur- und Quellenverzeichnis
  5. Anhang

1. Einleitung

Gängige Assoziationen mit dem Namen und Werk Bertolt Brechts reichen vom epischen Theater bis hin zu Marxismus, und auch tatsächlich wird Brecht z.B. in der Schule meist nur in Zusammenhang mit dem Konzept des epischen Theaters gelehrt und gelesen; weniger relevant erscheint Brechts Werk in Hinblick auf feministische Debatten und Queer Reading. Dennoch – oder genau deshalb – ist es eine lohnende Aufgabe, Brechts Werk queer zu lesen, um die althergebrachten Kategorisierungen von Brecht als marxistischen Schriftsteller zu hinterfragen; so schreiben Anna Babka und Susanne Hochreiter in Bezug auf die Aufgaben der Philologien, Werke einzuordnen zu werten und zu deuten: "Zu kritisieren allerdings ist der apodiktische Gestus dominanter Positionen und Methoden, die sich institutionell, über die hierarchischen Strukturen des Literatur- und Wissenschaftsbetriebs, etablieren." (Babka & Hochreiter 2008: 11)

Aber nicht nur der Anspruch, Brecht abseits jeglicher normativer Kategorisierung neu zu lesen, spricht für ein queeres Lesen von Brecht, wie Meg Mumford mit Verweis auf Brechts Konzept des Gestus feststellt:

Characterized by the their tendency to adopt a social constructivist approach to gender issues, materialist feminists share with Brecht an emphasis on the way social behaviour and events are determined by historically specific material and ideological factors. Theatre critics aligned with this feminist group have responded positively to Brecht’s theory of Gestus, regarding it as a useful method for deconstructing gender, sexuality and rece systems and the dominant modes of representation in which they can be embodied.

(Mumford 1998: 240)

Besonders interessant erscheint mir dabei die Frage nach der Geschlechterkonstruktion in Brechts Werken: Wie werden Geschlechterrollen bei Brecht konstruiert und welche Eigenschaften werden ihnen zugeschrieben? Bleiben die Geschlechterrollen in der Dichotomie von männlich / weiblich verhaftet (und reproduzieren somit gängige Stereotype) oder lässt sich eine queere Welt offenbaren? Dieser Frage möchte ich im Folgenden anhand Brechts Der gute Mensch von Sezuan nachgehen.

2. Geschlechterkonstruktionen in Der gute Mensch von Sezuan

Dass Brecht in dem Stück Der gute Mensch von Sezuan vor allem die Produktions- und Gesellschaftsverhältnisse und deren Machtstrukturen in einer marxistischen Sichtweise offenlegen wollte, lässt sich aus der Einleitung schließen, die dem Stück vorangestellt ist. Dort liest sich: "Die Provinz Sezuan der Parabel, die für alle Orte stand, an denen Menschen von Menschen ausgebeutet werden, gehört heute nicht mehr zu diesen Orten." (Brecht 1997: 192) Diese Machtstrukturen lassen sich jedoch nicht nur auf die Produktions- und Gesellschaftsverhältnisse zurückführen, sondern wirken weiter durch auf die Figuren und deren Geschlechtlichkeit (die wiederum rückwirken auf die Machtpositionen).

Im Folgenden soll nun gezeigt werden, wie die Geschlechtlichkeit der Figuren konstruiert werden und inwieweit die Figuren aufgrund ihres sozialen Geschlechts in bestimmten Machtstrukturen determiniert sind. Dabei stellt sich auch die Frage, ob und / oder inwieweit die Geschlechterzuschreibungen bei Brecht gängigen Stereotypen entsprechen.

2.1. Geschlechterstereotype

Dass in der heutigen Gesellschaft trotz der Bemühungen um Gender Mainstreaming und zunehmender Verankerung feministischer Kritik in Wissenschaft und Gesellschaft zum Teil immer noch gängige Klischees vorherrschen, v.a. was die Zuschreibung bestimmter Eigenschaften an ein Geschlecht betrifft, ist anzunehmen. Die zahlreichen (pseudo-) humoristischen Werke [1] und verbittert geführte Debatten, die sich an populistischen Arbeiten [2] entzünden, zeugen davon, dass Judith Butler mit ihrer Annahme Recht hat, wenn sie sagt: "Die zeitgenössischen feministischen Debatten über die Bedeutsamkeit der Geschlechteridentität rufen immer wieder ein gewisses Gefühl des Unbehagens hervor." (Butler 1991: 7)

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Geschlechterstereotype mitunter auch Organisationsprinzipien darstellen, die unsere Vorstellung der Welt einteilen (vgl. Rendtorff 2003: 26), d.h.: "Geschlechterrollen sind also Verhaltenserwartungen oder Verhaltensvorschriften für das jeweilige Geschlecht, die beinhalten welche Verhaltensweisen in der Gesellschaft üblich oder anerkannt sind." (Härtwig 2004). Wissenschaftliche Publikationen der letzten Jahrzehnte stützen diese Erkenntnisse; Eckes (1997) und Kasten (2003) beschreiben Geschlechterstereotype.

Kulturelle Männerstereotype enthalten u.a. diese Eigenschaften:

  • unabhängig,
  • dominant,
  • selbstsicher,
  • ehrgeizig,
  • zielstrebig,
  • rational und
  • willensstark,

während Frauen folgende Eigenschaften zugeschrieben werden:

  • abhängig,
  • verständnisvoll,
  • emotional,
  • sanft,
  • warmherzig,
  • gesprächig und
  • anlehnungsbedürftig.

(vgl. Eckes 1997: 57-58)

Kasten (2003) erweitert die Liste der geschlechterstereotypspezifischen Merkmale um weitere oft zugeschriebene Eigenschaften wie u.a. aggressiv, ehrgeizig, entschlusskräftig, führungsbewusst, kontrolliert, kraftvoll, tapfer, objektiv, sachlich, realistisch, selbstbewusst, stark, überlegen, verantwortungsbewusst, weinen nicht, wettbewerbsorientiert und zuverlässig auf männlicher Seite und auf weiblicher Seite um u.a. ängstlich, attraktiv, aufreizend, vorsichtig, einfühlsam, familienorientiert, friedlich, gefühlsbetont, gehorsam, geschwätzig, hilflos, kinderlieb, kleidungsbewusst, launisch, nachgiebig, nett, passiv, rücksichtsvoll, sanft, schutzbedürftig, schwach, sensibel, taktvoll, umgänglich, unentschlossen, unlogisch, unselbstständig, weich, zart.

Auffallend ist dabei, dass die männlichen Stereotype mehrheitlich positiv konnotierte Begriffe, während die weiblichen Stereotype mehrheitlich negativ konnotierte Begriffe beinhalten, die auf eine Dichotomie stark / schwach hinweist.

2.2. Der gute Mensch von Sezuan

Wie in Punkt 2.1. gezeigt wurde, handelt es sich bei Geschlechterstereotype um Zuordnungen, die getroffen werden, um Männern bzw. Frauen bestimmte Eigenschaften – eben stereotyp – zuzuschreiben. Diese Stereotype bilden mitunter auch einen in Handlungen mit Personen des jeweiligen Geschlechts angenommenen Erwartungshorizont. Dass die Figuren in Brechts Der gute Mensch von Sezuan, allen voran Shen Te und Shui Ta, diesen erfüllen, möchte ich im weiteren Verlauf anhand ausgewählter Beispiele zeigen.

2.2.1. Inhalt

Das Stück handelt von drei Göttern, die Sezuan mit der Absicht besuchen, einen guten Menschen zu finden. Der Wasserverkäufer Wang versucht für die Götter ein Nachtquartier zu finden, wird von den Bewohner*innen jedoch abgewiesen. Schließlich nimmt die Prostituierte Shen Te trotz ihrer finanziellen Notlage die Götter auf und beherbergt sie. Als die Götter am nächsten Morgen von Shen Tes finanzieller Not erfahren, entlohnen sie sie reichlich für ihre gute Tat; Shen Te kann sich davon einen kleinen Tabakladen kaufen und wird in weiterer Folge von den Bedürftigen der Sezuans bestürmt. Sie greift diesen unter die Arme, verliert dadurch aber fast ihren Tabakladen. Nur durch die Erschaffung ihres Vetters Shui Ta, der sein Handeln an ökonomisch-rationalen Gesichtspunkten ausrichtet und sich ausschließlich an der Notwendigkeit der Produktion orientiert, kann sie ihren Tabakladen retten. Als (schlechter Mensch) Shui Ta kann sie den Tabakladen sogar zu einer Fabrik ausbauen. Als sie jedoch zu lange Shui Ta bleibt, wird dieser verdächtigt, Shen Te umgebracht zu haben. Shui Ta wird vor ein Gericht gestellt, dem die drei Götter vorstehen. Unter der Bedingung, dass zuvor der Gerichtssaal geräumt wird, gesteht er schließlich Shen Te zu sein. Die Götter ignorieren jedoch die Notwendigkeit Shen Tes, böse sein zu müssen, um überleben zu können und verlassen die Welt auf einer rosa Wolke.

2.2.2. Shen Te

Schon diese Kurzbeschreibung des Inhalts lässt gewisse Geschlechterstereotype erkennen: Shen Te kann nur als Shui Ta bestehen. Die Frau kann nur als Mann überleben. Der gute Mensch von Sezuan, Shen Te, ist eine Prostiuierte. Sie übt dadurch einerseits einen Beruf aus, der in besonders starker Weise Frauen zugeschrieben wird [3], andererseits wird hier schon eine Abhängigkeit sichtbar: Die Frau, Shen Te, ist abhängig von ihren Freiern, allesamt Männer. Doch auch ihre gute Tat, die Götter zu beherbergen, die sie zunächst durch eine großzügige finanzielle Zuwendung seitens der drei Götter aus dieser Abhängigkeit befreit, vermag sie nicht zu retten: Durch ihr weiteres Verhalten manövriert sie sich rasch in neue Abhängigkeiten, finanziell-existenzieller wie emotionaler Natur. Sie ist einfühlsam, warmherzig, rücksichtsvoll, nett. Sie hilft der ehemaligen Besitzerin (Frau Shin) des nunmehr ihrigen Ladens, indem sie ihr täglich Reis für ihre Kinder gibt, nachdem sie ihr den Laden für Geld abgekauft hat und obwohl diese Shen Tes Reisspende als selbstverständlich ansieht. Selbst als klar wird, dass Frau Shin Shen Te beim Kauf des Ladens wichtige Informationen vorenthalten hat und diese Shen Te daraufhin beschuldigt, ihr Vorwürfe zu machen, bleibt Shen Te zurückhaltend, gutmütig, nachgiebig und holt ihrer Vorgängerin den versprochenen Reis, die ihrerseits Shen Te Vorwürfe macht, ihre Existenz mit den Kauf des Tabakladens zerstört zu haben:

DIE SHIN Sie wissen ja gar nicht, was schlimm ist, Ihnen geht es gut. Aber Sie werden noch allerhand Erfahrungen machen hier in dieser Bude. Dies ist ein Elendsviertel.
SHEN TE Mittags kommen doch, wie Sie mir sagten, die Arbeiter aus der Zementfabrik?
DIE SHIN Aber sonst kauft kein Mensch, nicht einmal die Nachbarschaft.
SHEN TE Davon sagten Sie mir nichts, als Sie mir den Laden verkauften.
DIE SHIN Machen Sie mir nur nicht jetzt auch noch Vorwürfe! Zuerst rauben Sie mir und meinen Kindern das Heim und 3 dann heißt es eine Bude und Elendsviertel. Das ist der Gipfel. Sie weint.
SHEN TE schnell: Ich hole Ihnen gleich den Reis.
DIE SHIN Ich wollte Sie auch bitten, mir etwas Geld zu leihen.
SHEN TE während sie ihr den Reis in den Topf schüttet: Das kann ich nicht. Ich habe doch noch nichts verkauft.
DIE SHIN Ich brauche es aber. Von was soll ich leben? Sie haben mir alles weggenommen. Jetzt drehen Sie mir die Gurgel zu. Ich werde Ihnen meine Kinder vor die Schwelle setzen, Sie Halsabschneiderin! Sie reißt ihr den Topf aus den Händen.
SHEN TE Seien Sie nicht so zornig! Sie schütten noch den Reis aus!

(Brecht 1997: 201-202)

Ihre Handlungsmuster ändert Shen Te nach diesem Erlebnis nicht: Vielmehr ist sie so rücksichtsvoll und hilfsbereit, dass sie es nicht zu verhindern vermag, dass sich jene Familie, bei der sie bei ihrer Ankunft in Sezuan zu Gast war und die sie, als sie kein Geld hatte, rausgeworfen hatte (vgl. Brecht 1997: 202), in ihrem Laden einquartiert. Paradoxerweise macht sich die Familie über die Gutmütigkeit Shen Tes lustig, raucht ihre Zigaretten und bevölkert mit immer mehr Verwandten ihren Laden. Diese Familie bringt sie schließlich dazu, ihren Vetter Shui Ta zu erfinden, allerdings nur, da sie fürchten, aufgrund der finanziellen Probleme Shen Tes (sie muss die Rechnung des Schreiners und die Miete bezahlen) ihr Obdach zu verlieren.

Auch in weiterer Folge werden Shen Te die typsich weiblichen Geschlechterstereotype zugeschrieben. Sie ist hilfsbereit und rücksichtsvoll, hilft und unterstützt selbstlos ihre Mitmenschen, obwohl diese sie ausnutzen. Ihre Handlungen erscheinen zunächst unlogisch, in gewisser Weise selbstzerstörerisch. Ihr altruistisches Verhalten erscheint nicht als positive Eigenschaft, wird nicht als Tugend gutgeheißen, sondern ist vielmehr die logische Konsequenz ihrer fehlenden Stärke, ihrer Hilflosigkeit: Scheinbar haben wir es hier nicht mit einer Person zu tun, die gut ist, weil sie das sein möchte und dafür auch bereit ist, ihre eigene Existenz zu gefährden, sondern mit einer Person, die ausgenutzt wird: "Es [geht] um den zu guten Menschen Shen Te, eine Frau, die »den Laden nur um den Preis ihrer Weiblichkeit behalten kann«, wie Heller sagt. Ein Paradebeispiel weiblicher Hilflosigkeit. »Aus feministischer Sicht ist das eine vetrackte Angelegenheit.«" (Keller, 2010)

Dies zeigt sich auch, als sie sich in den mittel- und arbeitslosen Flieger Yang Sun verliebt (der es, wie sich spätestens am Hochzeitstag herausstellt, nur auf ihr Geld abgesehen hat, um eine Fliegerstelle in Peking zu bekommen und sie bestiehlt), obwohl dieser Shen Te von Anfang an beleidigt:

SUN Schwester, laß ab, es hilft dir nichts. Mit mir ist kein Geschäft zu machen. Du bist mir auch zu häßlich. Krumme Beine.
SHEN TE Das ist nicht wahr.
SUN Zeig sie nicht! Komm schon, zum Teufel, unter den Baum, wenn es regnet!
Sie geht langsam hin und setzt sich unter den Baum.
SHEN TE Warum wollen Sie das tun?
SUN Willst du es wissen? Dann werde ich es dir sagen, damit ich dich loswerde. Pause. Weißt du, was ein Flieger ist?
SHEN TE Ja, in einem Teehaus habe ich Flieger gesehen.
SUN Nein, du hast keine gesehen. […] Und so bin ich ein Flieger ohne Flugzeug geworden, ein Postflieger ohne Post. Aber was das bedeutet, das kannst du nicht verstehen.
SHEN TE Ich glaube, ich verstehe es doch.
SUN Nein, ich sage dir ja, du kannst es nicht verstehen, also 23 kannst du es nicht verstehen.

(Brecht 1997: 221-222)

Emotional und gefühlsbetont, unentschlossen und mitunter auch gehorsam zeigt sich Shen Te, als sie eine Heirat mit dem Barbier Shu Fu ausschlägt, um mit Yang Sun wegzugehen, obwohl sie (bzw. Shui Ta) weiß, dass dieser sie nicht nach Peking mitnehmen möchte. Obwohl sie zunächst noch mit der Heirat mit Shu Fu einverstanden ist, kann sie Yang Sun leicht überreden, zu ihm zurückzukehren:

SHEN TE atemlos: Sun, mein Vetter und Herr Shu Fu sind übereingekommen, daß ich Herrn Shu Fus Ideen anhöre, wie man den Leuten in diesem Viertel helfen könnte. Pause. Mein Vetter ist gegen unsere Beziehung.
SUN Und du bist einverstanden?
SHEN TE Ja.
Pause.
SUN Haben sie dir gesagt, ich bin ein schlechter Mensch?
Shen Te schweigt.
[…]
SUN Hast du alles vergessen? Wie es regnete?
SHEN TE Nein.
SUN Wie du mich vom Ast geschnitten, wie du mir ein Glas Wasser gekauft, wie du mir das Geld versprochen hast, daß ich wieder fliegen kann?
SHEN TE zitternd: Was willst du?
SUN Daß du mit mir weggehst.
SHEN TE Herr Shu Fu, verzeihen Sie mir, ich will mit Sun weggehen.

(Ebd.: 246-247)

Als sie nach der geplatzen Hochzeit erfährt, dass sie (vermutlich von Yang Sun) schwanger ist, freut sie sich dennoch auf das Kind (vgl. ebd.: 260-261).

2.2.3. Shui Ta

Wie soeben gezeigt, erfüllt Shen Te gängige weibliche Geschlechterstereotype. Ihr gegenübergestellt wird ihr Vetter Shui Ta, den sie in ihrer Not erfindet, um die Machtstrukturen und die Geschlechterstereotype zu überkommen , die es ihr nicht erlauben, ihre Existenz zu sichern.

Als Shui Ta kann sie all jene Dinge tun, die ihr als Shen Te verwehrt bleiben: Er schafft es zunächst, ihren Laden zu retten, indem er dem Schreiner die Stellagen billiger abkauft und die einquartierte Familie mithilfe des Polizisten hinauswirft. Er wird ob seiner Entschlossenheit, Härte und Unnachgiebigkeit von den Bewohner*innen Sezuans respektiert, baut eine Tabakwarenfabrik auf (und lässt dabei all jene Personen schuften, die zuvor Shen Te ausgenutzt haben) und erhält Informationen, die ihr als Shen Te vorenthalten werden (Yang Sun macht Shui Ta gegenüber klar, dass er nicht vorhat, Shen Te nach Peking mitzunehmen).

Auch Shui Tas Figur / Identität wird mit gängigen Geschlechterstereotypen konstruiert. Er stellt das Gegenstück zu Shen Te dar. All jene Eigenschaften, die sie nicht besitzt, kann er vorweisen: Er ist unabhängig, dominant, entschlusskräftig, führungsbewusst, kontrolliert, selbstbewusst, stark und überlegen. Dabei lässt sich bei Shui Ta eine Entwicklung feststellen: Ist er zunächst nur selbstbewusst, aber nicht unfreundlich und tritt nur als Retter in Not in Erscheinung, entwickelt Shui Ta mit Fortlauf des Stücks – ganz wie Mr. Hyde – ein immer regeres Eigenleben. Er übernimmt zunehmend die Geschäfte Shen Tes, baut mit ausbeuterischen Mitteln diese zu einer Tabakfabrik aus und versucht auch Kontrolle auf Shen Te auszuüben (so verbietet er ihr z.B. die Beziehung zu Yang Sun) und tritt immer öfter in Erscheinung. Als sie schließlich zu lange er bleibt, wird Shui Ta eines Verbechens an Shen Te beschuldigt und muss vor Gericht seine wahre Existenz enthüllen.

Dieser performative, identitätsstiftende Akt des crossdressings wirkt für Shen Te zunächst befreiend. Als Shui Ta kann sie allen Zwängen und Abhängigkeiten entkommen: Sie muss nicht mehr der gute Mensch von Sezuan sein, kann seinerseits böse sein, unterdrücken, die Produktions- und Gesellschaftsverhältnisse zum eigenen Vorteil ausnutzen. Die "Konstruktion Shui Ta" stößt aber schließlich dort an ihre Grenzen, wo die identitätsstiftende Wirkung des crossdressings versagt: Bei Brecht ist das Geschlecht nicht ausschließlich sozial konstruiert, sondern in seiner biologischen Komponente eine Art Schicksal: Als Shen Te schwanger wird, kann sich auch Shui Ta dem nicht entziehen. Er wird dicker (was zunächst noch auf seinen Wohlstand zurückgeführt wird), ihm wird schwindelig – und mit der Unmöglichkeit, sich als Shui Ta ihrer Weiblichkeit zu entledigen, kehren auch die ursprünglichen Machtverhältnisse und Geschlechterstereotype zurück. So ist sie selbst in der Maske des Shui Ta der Shin unterlegen:

SHUI TA muß sich setzen, da es ihm schlecht wird: Mir schwindelt wieder!
DIE SHIN bemüht sich um ihn: Sie sind im siebenten Monat! Die Aufregungen sind nichts für Sie. Seien Sie froh, daß Sie mich haben. Ohne jede menschliche Hilfe kann niemand auskommen. Nun, ich werde in Ihrer schweren Stunde an Ihrer Seite stehen. Sie lacht.
SHUI TA schwach: Kann ich darauf zählen, Frau Shin?
DIE SHIN Und ob! Es kostet freilich eine Kleinigkeit. Machen Sie den Kragen auf, da wird Ihnen leichter.

(Ebd.: 275)

2.2.4. Kurzer Exkurs: Inszenierung von Shen Te und Shui Ta

In Hinblick auf die Inszenierung von Geschlechtlichkeit ist interessant, dass in Strehlers Aufführung [4] Shen Te von Andrea Jonasson gespielt wird, die in weiten Kleidern und mit einer Mütze am Kopf auftritt. Jonassons Shen Te wird somit nicht über das Aussehen als typisch weiblich inszeniert; zwar unterscheidet sich ihr Gang je nachdem, ob sie Shui Ta oder Shen Te spielt (letztere hat einen leichtfüßigeren, fast hüpfenden Gang), als Frau wird sie vorwiegend anhand ihrer Gesichtszüge erkannt (vgl. Anhang: Bild 1-2). Als Shui Ta (vgl. ebd.: Bild 3) trägt sie schließlich einen Anzug, Hut und Sonnenbrille und raucht Zigarren. Shui Ta wirkt durch sein Kostüm maskiert, sein Gang roboterhafter, seine Gestik und Mimik größer, ausschweifender als Shen Tes, und bedient sich auch den Haltungen des Sitzriesen, ein Konzept Brechts, um Personen auf der Bühne größer wirken zu lassen. (vgl. Mumford 1998: 250)

In einer (Amateur-)Verfilmung [5] dreier Jugendlicher, die auf YouTube angesehen werden kann, wird Shen Te wesentlich stereotyper inszeniert: Eine Shen Te mit rosa Langhaarperücke (vgl. Anhang: Bild 4) wirft sich lasziv den Schal um den Hals und rutscht zu Joe Cockers Version von Dont leave your hat on ein Treppengeländer hinunter – die Ähnlichkeit mit dem Stangentanz einer Stripperin ist nicht von der Hand zu weisen. Das doppelte crossdressing – ein Mann, der verkleidet eine weibliche Rolle spielt, verkleidet sich in dieser als Mann – wird leider nicht vollständig ausgeführt, Shui Ta wird durch eine Affenmaske erkenntlich gemacht (vgl. ebd.: Bild 5).

Während man also bei Strehler sagen kann, dass das biologische Geschlecht der Figur Shen Te / Shui Ta aufgrund der Inszenierung dekonstruiert bzw. auf ein hauptsächlich durch Gesten sichtbar gemachtes soziales Geschlecht reduziert wird, arbeitet die YouTube-Verfilmung ganz stark mit der Inszenierung des biologischen Geschlechts.

2.2.5. Männer vs. Frauen: Geschlechterspezifische Machtpositionen?

Wie in Kapitel 2.1. beschrieben, sind die meisten Eigenschaften, die dem weiblichen Geschlechterstereotyp zugeschrieben werden, negativ besetzte Begriffe, und jene a priori nicht pejorativ konnotierten Eigenschaften erscheinen im verwendeten Kontext ebenfalls auf die Schwäche des weiblichen Geschlechts hinzudeuten: Eine Person, die abhängig und anlehnungsbedürftig ist, ist nicht aus ihrer Stärke heraus ebenso verständnisvoll und sanft; vielmehr erfahren die Eigenschaften eine defizitäre, negative Bedeutungserweiterung. Sie kann nur unfreiwilligerweise verständnisvoll sein. Die männlichen Geschlechterstereotype sind meistens auffallend positiv besetzt, weisen auf die Stärke des Mannes hin. Zumindest Shen Te und Shui Ta entsprechen den gängigen Stereotypen, wie in Kapitel 2.2.2. und Kapitel 2.2.3. gezeigt; dennoch kann man nicht davon sprechen, dass alle Figuren in Brechts Der gute Mensch von Sezuan den Geschlechterstereotypen entsprechen bzw. sich das biologische Geschlecht der Figuren mit ihrem aufgrund ihrer Eigenschaften / Handlungen mithilfe der Geschlechterstereotype in Frage kommenden sozialen Geschlecht deckt. Zwar finden sich vereinzelt Szenen, in denen die Geschlechterrollen ähnlich den Stereotypen konstruiert werden und mit dem biologischen Geschlecht der Figur übereinstimmen, wie der folgende Ausschnitt aus dem Vorspiel zeigt, in dem der Wasserverkäufer Wang eine Nachquartier für die drei Götter zu besorgen versucht und zunächst bei Herrn Fo und anschließend bei der Witwe Su abgewiesen wird. Interessant sind die Begründungen:

DER ERSTE GOTT Da befehlen wir dir eben: nimm den nächsten!
WANG Das ist der Herr Fo dort drüben! Geduldet euch einen Augenblick! Er läuft zu einem
Haus und schlägt an die Tür. Sie wird geöffnet, aber man sieht, er wird abgewiesen. Er kommt zögernd zurück.
WANG Das ist dumm. Der Herr Fo ist gerade nicht zu Hause und seine Dienerschaft wagt nichts ohne seinen Befehl zu tun, da er sehr streng ist. Er wird nicht wenig toben, wenn er erfährt, wen man ihm da abgewiesen hat, wie?
DIE GÖTTER lächelnd: Sicher.
WANG Also noch einen Augenblick! Das Haus nebenan gehört der Witwe Su. Sie wird außer sich sein vor Freude. Er läuft hin, wird aber anscheinend auch dort abgewiesen.
WANG Ich muß dort drüben nachfragen. Sie sagt, sie hat nur ein kleines Zimmerchen, das nicht instand gesetzt ist. Ich wende mich sofort an Herrn Tscheng.

(ebd.: 194)

Während Herr Fo eine Dienerschaft hat, man also darauf schließen kann, dass er einen gewissen Reichtum und gesellschaftliche Stellung besitzt und die Dienerschaft Dinge nur auf seinen Befehl hin zu tun getraut, weil er so streng ist [6], kann Frau Su die Götter nicht beherbergen, da sie lediglich ein kleines Zimmerchen besitzt, welches nicht instand gesetzt ist. Selbst der geringe Besitz der Frau ist nicht verfügbar, die männliche Figur eindeutig der Frau überlegen. Diese erste Szene, in der scheinbar schon Machtstrukturen impliziert werden, ist jedoch nur bedingt verallgemeinerbar. Eine Festschreibung der Machtstruktur "Mann dominiert Frau" (in einem biologischen Sinn) für den Fortlauf des Stückes würde zu kurz greifen. Vielmehr hat das soziale Geschlecht auf die Machtposition von Shen Te / Shui Ta dort Auswirkung, wo und solange es das biologische Geschlecht überkommen kann. Bei Nebenfiguren wie der achtköpfigen Familie, die sich in Shen Tes Tabakladen einquartiert, sind die Geschlechterkonstruktionen und Machtverhältnisse (innerhalb derselben wie auch innerhalb Sezuans) nicht näher spezifiziert und auch nicht von Wichtigkeit; es genügt festzuhalten, dass sie Shen Te dominieren, diese schafft es nicht, sie davon abzuhalten, sich an ihrem Tabak zu vergreifen und den Laden zu verwüsten, geschweige denn sie aus dem Laden zu werfen. Ebenso ist Shen Te dem Schreiner, der Vermieterin Mi Tzü, der Witwe Shin und dem Flieger Yang Sun unterlegen, um nur einige zu nennen. Als Shui Ta kann sie schließlich ihrer (durch die Geschlechterkonstruktion mittels Geschlechterstereotype ihr zugewiesenen) Machtlosigkeit entkommen, die zuvor sie dominierenden Personen selbst dominieren und beherrschen: Shui Ta kauft dem Schreiner die Stellagen zu einem Spottpreis ab, er wirft die Familie mithilfe des Polizisten aus dem Laden und er baut eine Tabakfabrik auf, in der er all jene schuften lässt, die zuvor Shen Te ausgenutzt haben – auch Yang Sun. Einzig der Hausbesitzerin Mi Tzü [7] ist selbst Shui Ta unterlegen. Zwar versucht er im 2. Bild über die Höhe der Miete zu verhandeln und verhält sich ihr gegenüber kalt, bleibt ihr dennoch unterlegen. Dass Frau Mi Tzü eindeutig die Machtposition inne hat, zeigt sich schön beim ersten Zusammentreffen mit Shui Ta:

SHUI TA kalt: Frau Mi Tzü, ich bin beschäftigt. Sagen Sie mir einfach, was es uns kosten wird, in diesem respektablen Haus zu wohnen.
DIE HAUSBESITZERIN Ich muß sagen, Sie sind jedenfalls kaltblütig!
SHUI TA zieht aus dem Ladentisch den Mietskontrakt: Die Miete ist sehr hoch. Ich entnehme diesem Kontrakt, daß sie monatlich zu entrichten ist.
DIE HAUSBESITZERIN schnell: Aber nicht für Leute wie Ihre Kusine!
SHUI TA Was heißt das?
DIE HAUSBESITZERIN Es heißt, daß Leute wie Ihre Kusine die Halbjahresmiete von 200
Silberdollar im voraus zu bezahlen haben.
SHUI TA 200 Silberdollar! Das ist halsabschneiderisch! Wie soll ich das aufbringen? […]
DIE HAUSBESITZERIN 200 Silberdollar im voraus oder sie geht zurück auf die Straße, woher sie kommt.

(ebd.: 216-217)

Letztlich kann Shui Ta nicht einmal einen Aufschub der Mietzahlungsaufforderung erreichen und auch zu einem späteren Zeitpunkt, als Shui Ta erfolgreich eine Tabakfabrik aufgebaut hat, bleibt das Verhältnis unterkühlt (vgl. ebd.: 282).

Die Machtpositionen zwischen dem Barbier Shu Fu und Shen Te / Shui Ta sind nicht eindeutig festzulegen. Während Shu Fu von der Güte Shen Tes angetan ist und so auch nach ihrer Entscheidung für eine Heriat mit Yang Sun und gegen eine mit Shu Fu – und das impliziert eine gewisse Abhängigkeit Shu Fus gegenüber Shen Te – sie anhimmelt, verschlechtert sich das anfangs korrektes Verhältnis zu Shui Ta:

HERR SHU FU Ich habe Ihnen tausendmal gesagt, daß ich mit Ihnen nichts mehr, mit Ihrer Kusine dagegen alles zu besprechen bereit bin.

(ebd.: 281)

Dass in dem Stück Männer Frauen dominieren, kann so pauschal also nicht gesagt werden. Nicht die Geschlechtlichkeit an sich manifestiert die Machposition einer Person, sondern ihre (geschlechter-)stereotypen Eigenschaften, wobei auffallend ist, dass alle anderen Frauen in Der gute Mensch von Sezuan männliche Geschlechterstereotype, wenn auch nicht vollständig – annehmen können. Dass Männer gerade Shen Te gegenüber in einer Machtposition sind, liegt u.a. daran, dass Shen Te grundsätzlich hilflos erscheint – sie ist allen, Männern wie Frauen ausgeliefert. [8] Als Shui Ta kann sie jedoch ebenfalls mänliche Geschlechterstereotype annehmen und somit der Dominanz der (zumindest) meisten Figuren entkommen.

3. Conclusio

Gleichwohl die Konstruktion der Geschlechtlichkeit von Shen Te bzw. Shui Ta anhand jener Geschlechterstereotype, wie sie Eckes (1997) oder Kasten (2003) angeführt haben, passiert, und diese mit den Gegensatzpaaren männlich / weiblich, stark / schwach und (überwiegend) positiv / negativ besetzte Eigenschaften beschreiben lassen, kann ein kausaler Zusammenhang zwischen einer Machtposition und dem männlichen Geschlecht einerseits und einer Ohnmachtsposition und dem weiblichen Geschlecht andererseits eingeschränkt festgestellt werden. [9] Nichts desto trotz lässt sich in dem Stück ein Schematismus, ein Dualismus feststellen, wie Maren Keller in ihrem Spiegel-Artikel, der im Vorfeld zur Premiere von Friederike Hellers Inszenierung des Stückes auf der Schaubühne Berlin, entstand, schreibt: "Dieser Schematismus. Böse und gut. Hart und weich. Schlau und dumm. Gerissen und gutgläubig. Mann und Frau. Schwarz und weiß. Shui Ta und Shen Te[.]" (Keller 2010)

Diese Dichotomien sind allerdings – wie bei Keller angedeutet – auf Shui Ta und Shen Te beschränkt, auf die weiteren Figuren lässt sich die Verquickung von vorhandener Macht und Mann (sex) bzw. Hilflosigkeit und Frau (sex) nicht übertragen; ihre Machtpositionen lassen sich in klassisch marxistischer Sichtweise aus den Produktions- und Gesellschaftsverhältnissen beschreiben – mit einer Hausbesitzerin an der Spitze. Das zeigt, dass Frauen in Der gute Mensch von Sezuan nicht zwangsläufig immerzu hilflos sein müssen. Warum jedoch gerade eine Frau der gute Mensch ist und, um ihre Geschlechterstereotypen zu überkommen, sich des crossdressings bedienen muss und nicht einfach wie z.B. Mi Tzü oder die Shin von Anfang an bereits teilweise männliche Geschlechterstereotype hat oder diese annehmen kann, bleibt offen und stellt eine lohnenswerte Frage für zukünftige Arbeiten dar. Letztlich scheint mehr der Zwang, den Götter wegen ein guter Mensch zu sein, als ihr Geschlecht Shen Te in ihre Hilflosigkeit zu treiben. [10]

4. Literatur- und Quellenverzeichnis

Babka, A. & Hochreiter, S. (2008). Einleitung. In: Dies. (Hg.). Queer Reading in den Philologien. Modelle und Anwendungen. Göttingen: V&R unipress: 11-22.

Brecht, B. (1997). Der gute Mensch von Sezuan. In: Ders. Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Jubiläumsausgabe zum 100. Geburtstag. Frankfurt am Main: Suhrkamp. 2. Band: 192-295 (verfügbar über das Datenbankservice der UB Wien).

Butler, J. (1991). Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Eckes, T. (1997). Geschlechterstereotype. Frau und Mann in sozialpsychologischer Sicht. Pfaffenweiler: Centaurus Verlagsgesellschaft.

Härtwig, J. (2004). Männer- und Frauenfreundschaften im Wandel der Geschlechterrollen. Diplomarbeit. Berlin: Freie Universität. Abrufbar unter: http://www.freundschaft-diplomarbeiten.de/ (zuletzt abgerufen: 12.11.2010)

Kasten, H. (2003). Weiblich - Männlich. Geschlechterrollen durchschauen. München / Basel: Reinhardt.

Keller, M. (2010). Feministisches Theater. Brecht als Comic. Spiegel online. 17. April 2010. Abrufbar unter: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,689450,00.html (zuletzt abgerufen: 12.11.2010)

Mumford, M (1998). ‘Dragging’ Brecht’s Gestus Onwards: A Feminist Challenge. In: Giles, S. & Livingstone, R. (Hg.). Betrold Brecht. Centenary Essays. Amsterdam, Atlanta: Rodopi.

Rendtorff, B. (2003). Kindheit, Jugend und Geschlecht. Einführung in die Psychologie der Geschlechter. Weinheim / Basel / Berlin: Beltz.

Inszenierungen

Strehler, G. (1981). Der gute Mensch von Sezuan, Piccolo Teatro Mailand

Schmidt, A., Michalzik, L. & Wolny, M. (2009). Der gute Mensch von Sezuan – Der Film. YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=BpQPwrTL0Ic (zuletzt abgerufen: 12.11.2010)

Anhang

Jonasson in Mantel und mit Mütze
Bild 1: Andrea Jonasson als Shen Te (Strehler 1981)
Jonasson in hellem Hemd und mit weißer Mütze
Bild 2: Jonasson als Shen Te, nachdem sie die Götter beherbergt hatte (Strehler 1981)
Jonasson mit Anzug, Sonnebrille und Hut
Bild 3: Jonasson als Shui Ta mit Anzug, Hut, Sonnebrille und Zigarre (abrufbar unter: http://archivio.piccoloteatro.org/eurolab/index.php?tipo=1&ID=4070&imm=1&contatore=8&real=0)
Shen Te mit rosa Perücke und Plüschschal
Bild 4: Shen Te mit rosa Perücke
Shui Ta mit Affenmaske
Bild 5: Shui Ta mit Affenmaske

 

Anmerkungen

[1] Vgl. u.a. Barth, M. (2004). Langenscheidt Deutsch – Frau / Frau – Deutsch. Schnelle Hilfe für den ratlosen Mann. München: Langenscheidt.

[2] Vgl. z.B. Herman, E. (2006). Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit. Starnberg: Pendo Verlag. Herman fordert hier das Recht auf und vertritt ein traditionelles Rollenbild der Frau als Mutter, für die Familie und Mutterschaft für ihr Glück und die Zufriedenheit wichtiger sind als Karriere und Unabhängigkeit.

[3] In Google stehen über 1 000 000 Treffern für Prostituierte 2 370 Treffern (Prostituierter) gegenüber. Selbst die 61 100 Treffer für Callboy (die u.a. englischsprachige Treffer beinhalten) erscheinen dagegen gering.

[4] Strehler, G. (1981). Der gute Mensch von Sezuan, Piccolo Teatro Mailand

[5] Schmidt, A., Michalzik, L. & Wolny, M. (2009). Der gute Mensch von Sezuan – Der Film. YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=BpQPwrTL0Ic

[6] Er besitzt als Mann ein entsprechendes Durchsetzungsvermögen.

[7] die jedoch mehr stereotypen Männer denn Frauen gleicht

[8] Lediglich dem Wasserverkäufer Wang ist Shen Te anscheinend nicht unterlegen. Zwar ist sie auch ihm gegenüber gutmütig und hilfsbereit, man hat jedoch nicht das Gefühl, dass Wang in der Lage ist, Shen Te wie die anderen Figuren eigennützig und böswillig auszunutzen. Als sie ihm bei Regen ein Glas Wasser abkauft, geschieht freiwillig.

[9] Differenziert man zwischen sex und gender, lässt sich kein Zusammenhang zwischen biologischem Geschlecht und Machtposition, jedoch sehr wohl zwischen sozialem Geschlecht und Machtposition feststellen, wenn zweiteres (gender) mithilfe von Geschlechtsstereotype zugewiesen / konstruiert wird.

[10] Eine weitere, andere Erklärungsmöglichkeit bietet Keller: "Sie [Shen Te, Anm. S.H.] ist nicht mehr naiv und gut, weil sie nicht anders kann. Sondern aus Überzeugung." (Keller 2010)